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Lean Startup

Veröffentlicht am: 14. Januar 2021

Überarbeitet am: 18. März 2021

Eric Ries beschreibt in dem Buch Lean Startup eine Unternehmensstrategie, die auf Agilität und Schlankheit aufbaut. Nach der Lehre von Lean Startup ist jedes Geschäftsmodell, jedes Konzept, jede Produktentscheidung, jede Marketingmaßnahme, jede Persona usw. eine vom Management getroffene Annahme, die es zu validieren gilt. Dabei kann Validierung nur im Kontakt mit echten Kunden statt finden. Beide Ergebnisse, also sowohl Annahmen die sich als korrekt, aber auch jene, die sich als inkorrekt herausstellen, sind als Fortschritt zu werten und fließen als Lernergebnis ein. Unternehmungen, denen es gelingt, den iterativen Prozess besonders schnell zu durchlaufen (z.B. durch Automatisierung) werden sich lt. Lean Startup im Markt gegenüber ihren Wettbewerbern durchsetzen.

Methodik

Der zugrundeliegende Prozess des Lean Startup Ansatzes ist die Bauen- Messen-Lernen (BML) Schleife. Die BML-Schleife ist ein dreistufiger Prozess, der iterativ, also wieder und wieder durchlaufen wird. Ries ermutigt Unternehmen viele Prozessdurchläufe (Experimente) durchzuführen.

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Bauen

Schritt 1

Der erste Schritt der BML-Schleife ist das Bauen eines Prototypen. Dabei folgen Prototypen drei Kriterien.

01 | Prototypen sind immer Mittel zum Zweck

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In jedem Fall sind Prototypen als Mittel zum Zweck zu verstehen: Das Ziel jedes Prototypen ist die Veranschaulichung des späteren Produkts, sodass frühestmöglich mit der Zielgruppe in Kontakt getreten werden kann. Folglich kann ein Prototyp viele Formen annehmen, verbreitete Beispiele sind Basteleien aus Kartonagen, Webseiten mit Vorabregistrierung, Webseiten mit Eintragung in einen Newsletter, Videos, Animationen, usw. Hauptsache ist, dass der Prototyp ein Bild des späteren Produkts vermittelt. Testpersonen (Kunden der angestrebten Zielgruppe) sollen den Prototyp schmecken, riechen, sehen fühlen oder damit interagieren können.

02 | Prototypen sind mit Annahmen bestückt

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Es muss vorab geklärt sein, welche Annahmen in einen Prototypen einfließen sollen und wie einzelne Annahmen im Prototyp veranschaulicht werden können. In der betrieblichen Praxis ist dies die Schlüsselaufgabe, die ein hohes Maß an unternehmerischen Kreativität, strategisches Verständnis und Erfahrung voraussetzt. Durch ein Fallbeispiel des Unternehmens Dropbox verdeutlicht Eric Ries eine mögliche Vorgehensweise: „Das Video war eine schnörkellose Demonstration der Technologie, die drei Minuten dauerte, doch sie zielte auf die frühen Technologieanwender ab. Drew übernahm persönlich die Rolle des Sprechers und während er erzählte, sahen die Zuschauer seinen Bildschirm. Er beschrieb die Ordner, die er synchronisieren wollte, und man konnte beobachten, wie er mit der Maus die Aktivitäten im Computer steuerte. Bei genauerem Hinsehen erkannte man, dass die Ordner, die er hin und her schob, mit Insiderwitzen und humorvollen Anspielungen gespickt waren – ganz nach dem Geschmack der Early Adopters. Drew erklärte:

»Das Video lockte mehrere Hunderttausend Besucher auf die Website. Unsere Beta-Warteliste schnellte buchstäblich über Nacht von 5 000 auf 75 000 Interessenten hoch. Wir waren total von den Socken.«

Heute gehört Dropbox zu den hoch gehandelten Silicon-Valley- Firmen mit einem Wert, der sich dem Vernehmen nach auf mehr als 1 Milliarde Dollar beläuft. 31 In diesem Fall war das Video das minimal funktionsfähige Produkt. Es bestätigte den Vertrauensvorschuss, den Drew Houston in die Annahme setzte, dass sich Kunden für das Produkt interessieren würden: nicht etwa, weil sie dies in einer Fokusgruppe bekundet hatten oder weil man durch einen hoffnungsvollen Vergleich mit anderen Unternehmen zu dieser Schlussfolgerung gelangt (Eric Ries, 2011)

03 | Prototypen sind möglichst minimal

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Prototypen sollen eine möglichst minimale Natur haben. Nicht alle Annahmen werden auf einmal in einen Prototypen gepackt, sondern nur ausgewählte Annahmen je Prototyp. Nur so können Rückschlüsse gezogen werden, welcher Prototyp und damit welche Änderungen zu einer Besserung bzw. Verschlechterung geführt haben. Zudem bedeuten wenige Änderungen gegenüber des Vorgänger-Prototypen geringeren Arbeitsaufwand und somit schnellere Iterationen des BML-Prozesses. Aufgrund ihres minimalen Charakters werden Prototypen synonym als Minimum Viable Product, kurz MVP bezeichnet.

Messen

Schritt 2

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Der Lean Startup Ansatz rät eine zentrale Messstelle für die Rückverfolgbarkeit und Auswertung aller Experimente einzurichten. Zu diesem Zweck müssen digitale Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden. Kennzahlen (KPIs) sind so zu wählen, dass sie Veränderungen in Relation zu vorherigen Zeiträumen wiedergeben. Der Einsatz von A/B Tests sorgt für die Vergleichbarkeit mehrerer Prototypen zur gleichen Zeit. Für die Auswertung rät Ries zu einer modifizierten Kohortenanalyse, die Prototypen und Konversionsziele in einem zeitlichen Verlauf gegenüberstellt. Die zusammengefassten Messergebnisse sollten wöchentlich unternehmensweit mit allen beteiligten Mitarbeitern geteilt werden.

Lernen

Schritt 3

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An dieser Stelle ist unternehmerische Entscheidungskompetenz gefordert. Es muss festgelegt werden, ob und in welchem Umfang sich ein Prototyp bewährt hat oder modifiziert werden muss. Die Bandbreitereicht von marginalen Änderungen über neue Features, hin zum Verwerfen eines Prototypen. In letzter Konsequenz muss nach jeder Iteration entschieden werden, ob der strategische Kurs beibehalten wird oder eine Kurskorrektur unvermeidlich ist.

Quelle(n):

Eric Ries, Lean-Startup, 2011